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Beim nur symbolischen Spatenstich, der eher eine Spaten-Präsentation war, von links nach rechts : Dr. Catharina Friedrich ('innogy'), Landrat Sebastian Schuster, Timo von Lepel ('Netcologne') und Siri Grischke (Projektkoordinatorin der Kreisverwaltung)

Startschuß zum überfälligen Breitbandausbau, Bauarbeiten beginnen

Seit Monaten warten die Bürger - nicht nur in Much - auf den langangekündigten Ausbau des Breitbandnetzes, der auch die Bewohner abseits der Hauptorte mit zeitgemäßen Internet-Anschlüssen versorgen soll. Vor drei Jahren begannen bei der Kreisverwaltung die Vorbereitungen, im Anschluß wurde der Antrag auf Fördermittel beim Bund gestellt. Schon im April 2016 erhielt der Kreis die Förderzusage über 19,8 Millionen Euro für unterversorgte Gebiete, aber das Verfahren zog sich hin.

Die Ausschreibung wurde nochmals unterbrochen, weil zusätzlich alle 184 Schulen im Kreis einen direkten Glasfaser-Anschluß erhalten sollen, um jeden Klassenraum mit schnellem Netz auszustatten. Aus formalen Gründen mußte die Maßnahme in das gleiche Förderverfahren eingebunden werden, was zu einer langen Verzögerung führte. Noch immer liegt kein unterzeichneter Bewilligungsbescheid für die Fördermittel seitens des Bundes vor. Doch dank eines vorgezogenen Baubeginns kann es dennoch mit den konkreten Bauarbeiten losgehen - zumindest in einem der drei im Kreisgebiet ausgeschriebenen Losen.

So hatte man für den Mittwoch vergangener Woche (22.08.) zum offiziellen Spatenstich in den Ortsteil Heckhaus geladen, der wie viele andere vom Ausbau profitieren soll. Der Baubeginn war allerdings nur symbolisch, die eigentlichen Arbeiten starten nämlich erst am 3. September. Und sie werden auch nicht in Much beginnen, sondern in Hennef (dazu später mehr). So wurden die pressewirksam drapierten Baumaschinen nach dem Fototermin wieder abtransportiert. Die ersten Arbeiten im Gemeindegebiet sollen Ende September oder Anfang Oktober in Angriff genommen werden. Bis alle der berücksichtigten Haushalte und Betriebe angeschlossen sind, sollen jedoch nochmals zwei Jahre ins Land gehen.

Bürgermeister Norbert Büscher, Landrat Sebastian Schuster und die Vertreter der beteiligten Unternehmen (von links nach rechts) beim offiziellen Startschuß abseits der Baumaßnahmen auf einer Wiese im Ortsteil Heckhaus

Landrat Sebastian Schuster nannte den Breitbandausbau "von existentieller Bedeutung" und sprach vom erheblichen Aufwand des Verfahrens. Es wäre von allen politischen Gruppen unterstützt worden. Doch der ein oder andere Wettbewerber hätte sich im Verfahren "nicht immer fair verhalten". Bundesweit seien von den Fördermitteln des Bundes noch keine zwei Prozent abgerufen worden. Und so hätte man nicht nur als eine der ersten Regionen die Förderzusage erhalten, man gehöre auch bei der Umsetzung zu den ersten vier Kommunen oder Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Bei den anderen Vorreitern, darunter Düren und Olpe, sei der Aufwand zudem geringer gewesen, weil sie jeweils nur ein Ausschreibungslos umfassen würden. Im Rhein-Sieg-Kreis hätte man dagegen durch die Pluralität der Angebote Wettbewerb geschaffen.

Bürgermeister Norbert Büscher fand ob der verstrichenen Zeit kritische Worte : "Wir müssen unbürokratischer und schneller werden, damit wir von anderen Ländern nicht abgehangen werden." Dafür ist es in diesem Fall allerdings schon zu spät, denn Deutschland hinkt bezüglich des Versorgungsgrades mit Breitband-Anschlüssen dem Großteil der europäischen Länder teils deutlich hinterher. Bürgermeister Büscher berichtete weiter vom Gespräch mit einem Dienstleister, der die Gemeinde wegen der schlechten Internet-Anbindung verlassen hätte. Man müsse dafür sorgen, daß es beim Bürger zuhause in der Steckdose ankomme, so sein Fazit.

Wie bereits berichtet, wurden in den bislang großteils unterversorgten ländlichen Kommunen des Kreisgebietes drei verschiedene Lose ausgeschrieben. Schon früh wurde bekannt, daß das "Sonderlos Much", das grob den Osten und Süden des Gemeindegebietes umfaßt, an den vor Ort tätigen, aber nicht nur aufgrund seiner Preise ungeliebten Anbieter 'eifel-net' aus Euskirchen ging. Das Hauptlos "Rhein-Sieg Mitte", das überwiegend zahlreiche Ortschaften der Städte Lohmar, Hennef und Königswinter sowie der Gemeinden Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth und Eitorf umfaßt, wurde der 'Deutsche Telekom' zugesprochen.

Die beim Ausbau im Ausschreibungslos "Rhein-Sieg Ost" begünstigten Kommunen

Der aktuelle Baubeginn bezieht sich nur auf das Hauptlos "Rhein-Sieg Ost". Diesen Zuschlag erhielt die bisherige 'RWE'-Tochter und künftige 'E.ON'-Tochter 'innogy', die in einer Bietergemeinschaft mit 'NetCologne' auftritt. Das Los, das neben dem Nordwesten Muchs mit dem Hauptort (außer dem Nahbereich um den bisherigen Hauptverteiler in der Schulstraße, dessen Ausbaurecht an 'eifel-net' ging) auch Ortschaften im äußersten Osten und Süden der Gemeinde beinhaltet, schließt weiterhin große Teile von Ruppichteroth und Windeck sowie einzelne Ortschaften von Eitorf ein.

11 Millionen Euro werden die beiden kooperierenden Unternehmen hier investieren, auf 4,5 Millionen Euro belaufen sich die Fördermittel des Bundes für dieses Los. Dieses Geld deckt die Lücke zwischen der als wirtschaftlich angesehenen Investition der Unternehmen und den tatsächlichen Ausbaukosten ab. 6.700 Haushalte sollen in den vier Kommunen ans Breitbandnetz angebunden werden, 680 davon erhalten sogar einen Glasfaseranschluß auf dem Grundstück (FTTB - Fiber to the building), weil sie zu weit vom nächsten Kabelverzweiger entfernt liegen, um über die Kupferleitung auf der letzten Meile versorgt werden zu können.

In den anderen Fällen endet das Glasfaserkabel in den sogenannten Kabelverzweigern, also den grauen Kästen am Straßenrand, von denen in der Regel nur einer pro Ortschaft eingerichtet wird (FTTC-Ausbau - Fiber to the curb). Von dort kann das Signal auf einer Entfernung von rund 500 Metern verlustfrei über die Kupferleitung in die Haushalte gelangen. In dieser Entfernung vom Verteiler ist das Ausbauziel (50 Megabit pro Sekunde im Download) erreichbar. Die Unternehmen haben aber angedeutet, daß je nach örtlichen Gegebenheiten und Nachfrage in der Nachbarschaft auch Glasfaserkabel bis ins Haus verlegt werden könnten. Erfahrungsgemäß dürften dafür allerdings Kosten von rund eintausend Euro pro Gebäude verlangt werden.

Kettenfahrzeug für das Horizontal-Spülbohrverfahren des beauftragten Tiefbauspezialisten 'Galjard Bau' aus dem nordhessischen Fuldabrück

Von den im Ausschreibungslos "Rhein-Sieg Ost" neu zu versorgenden 6.700 Haushalten liegen gut 2.900 im Mucher Gemeindegebiet. 2.700 erhalten die übliche FTTC-Anbindung, 215 werden direkt ans Glasfasernetz angeschlossen (FTTB). Versorgt werden sie über eine Anbindung an die "Datenautobahn" in Hennef-Stoßdorf, wo zunächst eine Zuleitung zu einem bestehenden Leerrohr des Wahnbachtalsperren-Verbands (WTV) geschaffen wird. Über deren Trassen gelangt die Glasfaserleitung nach Much, genauer gesagt nach Weißenportz im Westen der Gemeinde, wo sich der Hochbehälter des 'WTV' befindet. Von dort wird sie quer durch die Gemeinde nach Ruppichteroth fortgeführt und in die Ortsteile verzweigt.

Im gesamten Los Ost (Much, Windeck, teils Ruppichteroth und Eitorf) müssen 106 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt werden. Auf einem Großteil der Strecken, nämlich 63 Kilometer, ist kein Aufriß der Oberfläche notwendig, Neben den Leerohren des 'WTV' können 30 Kilometer Leerrohre der 'Innogy' und der Kommunen genutzt werden. Zudem wird teils das Spülbohrverfahren angewendet, um Leitungsstränge unter die Erde zu bekommen. In die vorhandenen oder so geschaffenen Leerrohre werden Leitungsbündel mit acht Röhrchen eingebracht, in die abschließend die Glasfaserleitungen per Druckluft eingeblasen werden.

Insgesamt werden im Los Ost sechs 'DSLAM-Gehäuse' am Hauptstrang (Backbone) eingerichtet, je zwei in Much, Ruppichteroth und Windeck. Diese werden sich in Much eingangs des "alten" Gewerbegebiets Bövingen-Ost sowie im Hauptort an der Hauptstraße im Bereich der früheren Post befinden. Weiterhin werden in Much 12 neue Glasfaser-Verzweigerschränke sowie 17 Multifunktions-Gehäuse an bestehenden Kabelverzweigern errichtet. Sie werden an folgenden Orten stehen - in der Reihenfolge der Abzweige vom Hauptstrang :

Markelsbach 130  (nahe des steinernen Wegekreuzes an der B 56)
Klauserhof 1  (an der Landesstraße 318)
Növerhof 1  (Ortseingang an der Landesstraße 318)
Schwellenbach 71 (eingangs des Ortes nahe der westlichen Ortszufahrt)
Eigen 100  (Standort unklar, Adresse nicht existent)
Kerzenhöhnchen 20  (nahe der Reitanlage)
Hevinghausen 1  (am östlichen Ortseingang an der K 11)
Eckhausen 1  (am südlichen Ortseingang an der L 360)
Strünkerhof  (keine nähere Standortangabe)
Bövingen 122  (eingangs des "alten" Gewerbegebietes Bövingen-Ost)
Tillinghausen  (keine nähere Standortangabe)
Gibbinghausen  (keine nähere Standortangabe)
Gerlinghausen 1  (am östlichen Ortseingang an der K 46)
Henningen 5  (am südlichen Ortseingang, Zufahrt von Gibbinghausen)
Heckhaus  (im Bereich des westlichen Ortsteils)
Heckhaus 2  (am östlichen Ortseingang, Zufahrt von Henningen)
Much, Danziger Straße 49  (Kurvenbereich der Straße)
Much, Hauptstraße 34  (in Höhe der ehemaligen Post)
Much, Zanderstraße 18  (nahe Abzweig Gartenweg)
Reichenstein 1  (am Abzweig der Wahnbachtalstraße)
Loßkittel  (keine nähere Standortangabe)
Amtsknechtswahn 7  (im Zentrum des Ortes)
Niederwahn  (keine nähere Standortangabe)
Herfterath  (keine nähere Standortangabe)
Neßhoven  (Hoffnungsthal, an der L 350)

Versorgung über Ruppichteroth :
Tüschenbonnen  (keine nähere Standortangabe)
Derscheid  (keine nähere Standortangabe)
Löbach 11  (in Ortsmitte)

Folgende hier nicht gelistete Ortsteile sollen über die Verteiler benachbarter Ortschaften versorgt werden :  Hetzenholz, Leverath, Oberheiden, Neuenhaus, Niederbruchhausen, Niederheiden, Roßbruch, Scheid, Siefen und Springen. Den bei der Ausschreibung offenbar "vergessenen" Ortsteil Huven will die Gemeinde über das nahe Gewerbegebiet Bitzen anbinden.

Nach dem Baubeginn in September soll der Ausbau im Los Ost rund zwei Jahre bis zum Spätsommer 2020 dauern. Allerdings müssen nicht alle so lange auf das schnelle Internet warten. Die Anschlüsse werden entsprechend dem Fortschritt der Arbeiten abschnittsweise freigeschaltet. Ziel ist, 98 Prozent aller Anschlüsse mit Datenraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde auszustatten. Kleinstsiedlungen und Höfe mit bis zu drei Teilnehmern, so war zu erfahren, können teils nicht berücksichtigt werden. Noch keine Informationen gibt es zu den später angebotenen Preisen für die neuen Anschlüsse.

Wann die Arbeiten in den beiden anderen Losen - "Rhein-Sieg Mitte" mit Lohmar und Neunkirchen-Seelscheid (Telekom) sowie "Sonderlos Much" (eifel-net) - beginnen werden, steht noch nicht fest. Somit ist hier auch noch kein Fertigstellungs-Termin abzusehen. Zudem ist der Status des Ortsteils Sommerhausen weiterhin unklar, der seitens 'eifel-net' als versorgt gilt. Allerdings wird aus dem Ort berichtet, daß eine viel geringere als die dafür notwendige Übertragungsrate von 30 Megabit pro Sekunde verfügbar ist und auch angeboten wird.

So sehr der Breitbandausbau hilft, den teils unzureichenden, teils sogar desolaten Versorgungsgrad im ländlichen Raum zu verbessern, bleibt ein Problem. Die nun anvisierten 50 Megabit / Sekunde (im Download) sind derzeit noch halbwegs Stand der Technik. Es besteht aber die Gefahr, daß sie bei Abschluß der Baumaßnahme in zwei Jahren schon wieder als überholt gelten. Der Bedarf an höheren Übertragungsraten wächst durch neue Techniken (Video on Demand, Streaming-Dienste, Cloud-Speicher etc.) nämlich stetig. An einem zukünftigen FTTB-Ausbau (Fiber to the building), bei dem die Glasfaserleitungen bis in alle Häuser verlegt werden, wird schon mittelfristig kein Weg vorbeiführen. (cs)
 

27. August 2018

Das zu verlegende Glasfaser-Leitungsnetz in Ausschreibungslos "Rehin-Sieg Ost" mit Much (orange), Ruppichteroth (rot), Windeck (grün) und Eitorf (magenta), links die Anbindung an die "Datenautobahn" in Hennef


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09.03.2018  -  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterFlächendeckende Breitband-Anbindung in den Startlöchern

18.03.2018  -  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterNeue Details zum Breitbandausbau in Mucher Ortsteilen

 

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