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Gedanken zum Kirchplatz von 'Sankt Martinus' in Much

 
von Professor Thomas Kesseler, Bad Hönningen, 26.01.2020

"Die von einem Hain umgebene Kirche" lautet der Bilduntertitel im 'Wikipedia'-Eintrag der Kirche Sankt Martinus zu Much. 1131 wurde die Vorgängerin gebaut, im 12./13. Jahrhundert errichtete man die jetzige dreischiffige Basilika, das 15. Jahrhundert steuerte das nördliche Seitenschiff sowie den weithin sichtbaren schlanken Turmhelm bei.

Ein hellroter Ziegelrotfarbton aus den 1960er Jahren, vorher war die Kirche aus reinem Sichtbruchstein erbaut worden, bildet einen schönen Komplementärkontrast zum grünen Umraum. Der Kirchenbau blitzt überall heraus. Und das ist die Besonderheit der Situation des historischen Kirchhofes in Much. Die Kirche mit ihrem nadelscharfen, obeliskartigen Turmhelm ist weithin von allen Seiten sichtbar. Es besteht also kein Problem der Sichtbarkeit, woraus sich das Ausholzen des Baumbestandes ableiten ließe. Nein, gerade dieser gewachsene Hain ist das besondere dieser Kirchenumgebung.

Leider konnte bisher keine anschauliche räumliche Simulation, Fotobearbeitung oder ein Modell vorgewiesen werden, um eine räumliche Kontrolle zu ermöglichen. Das ist in der Tat bei dem Planstand einer Ausführungsplanung bedauerlich.

 

Kirchplatz Much, Stand 1930 - (Archiv Hartmut Benz)

Qualitäten des historischen Bestandes

Ein Friedhof bedeutet immer auch "Fried-Hof", ein ummauerter, befriedeter Raum. Der Bereich einer Kirche war immer umhegt und geschlossen, vielfach sogar burgartig ausgebildet. Diese Bedeutung ist ein historischer Sachverhalt, der sich hier wunderbar erhalten hat und deswegen sollte er nicht ausgelöscht werden.

In Much hat sich zudem ein Kirchgarten erhalten, mit älterem Baumbestand, altem Pflaster und differenzierter Raumgliederung durch verschiedene Bodengestaltung, Basaltpflaster, Gehwegplatten und wassergebundene Oberflächen. Der beigefügte Plan von 1930 vermittelt diesen Eindruck. Die Kirche und ihr Bereich stehen nicht von ungefähr unter Denkmalschutz. Dass hier der Denkmalschutz der neuen Planung mit einem einheitlich unterschiedslos verlegten Betonpflaster zugestimmt hat, erscheint als merkwürdig !  Natürlich war der alte Kirchhof auch ein Friedhof, im Plan noch ablesbar, auch wenn er seit geraumer Zeit nicht mehr belegt wurde.

Wenn sich das Pflaster des Gemeindebereiches abhebt von dem des Kirchhofes wäre das sicherlich sogar sinnvoll, diese alte Grenze nachzuvollziehen zwischen Dorf und Kirche. Hier wäre eine historische Studie sinnvoll, alte Pläne, Kupferstiche, historische Fotos. Zunächst erhielt ich aus der Sammlung Benz diesen Plan von 1930. Man kann hiervon schon etwas Genaueres für unsere Zeit ableiten. In meinem Falle habe ich einen Plan von 1930 untergelegt und die entsprechenden Wegeführungen für die heutige Zeit genutzt.

Mauer und Bäume sind schützenswert, auch in unserer Zeit schirmen sie den Verkehr der Bundestraße ab und schaffen einen definierten Ort. Das Besondere der Kirche in einem Hain, dies wird ihr in den städtischen Plänen genommen von der Planungsgruppe MWM. Auch der dichte Grüneindruck würde wesentlich geschmälert. Die historisch kraftvolle Form der Ummauerung würde durch die Treppenanlagen zu beiden Seiten der Hauptstraße zerstört.

 

Kritik an der Umplanung

Zwei elliptische Wege parallel werden im Entwurf ohne Verbindung geführt, eine große Geste, die sich geometrisch nicht wiederfindet und als modische Elemente mit der Friedhofsstruktur nicht übereingeht, wie man dem Bestand, Augenschein und Plan von 1930 entnehmen kann. Schnell werden Trampelpfade nicht geplante Verbindungen ziehen.

Der heute vorhandene Weg gliedert sich gut in die Straßenstruktur ein, führt weiter, was in der Ortstruktur angelegt ist. Die aktuelle Treppe zur Kirchgasse ist sinnvoll, entspricht dem Laufbedürfnis und spart viel Aufwand einer Verlegung.

Ein Friedhof war eine Umgrenzung und das sollte auch spürbar von der Straße aus sein, gerade da ist die Rundführung der Mauer wichtig. Der Einstich in der Rundung erscheint als völlig unangebracht. Der schmale Treppenlauf zur Kirchstraße ist nach Bauverordnung zu steil, auch verschieben sich die Stufen, dass könnte lediglich repariert werden. Hier handelt es sich aber um eine Nebentreppe.

Die Ellipse trifft völlig unüberlegt auf die Treppe, die Formen entwickeln sich nicht auseinander.
 Die Wegeführung auf dem ehemaligen Friedhof sollte lebendiger gestaltet werden nach links gehend, vielleicht einen Rundweg anschließen.

Die große Rampen-Treppenanlage wirkt unmaßstäblich, es wäre zu prüfen, ob eine kleinere Lösung besser ist, eine Treppenanlage wie die von mir entworfene Alternative (Anmerkung der Redaktion : Abbildung und Erläuterung weiter unten) mit einer gewendelten, kürzeren Rampe würde die Kosten auf zwei Fünftel der Summe reduzieren.

Betonpflaster gilt heute als unwertig und nicht nachhaltig. Die Kosten für eine ganz einheitliche Fläche sind nicht angebracht bei dem sehr schönen historischen Pflaster, das den Ort seit langem prägt. Vielleicht werden die Gehwege in Naturstein mit glatter Verlegung herausgehoben, wassergebundene Oberflächen sind willkommene Bereiche in der Gestaltung.
 

 
Es ist als eine ökologische Katastrophe zu sehen, mehr als 20 Bäume zu fällen, die nicht krank sind und ortsbildprägend wirken. Die Bepflanzung des Vorplatzes der Kirche ist auch völlig in Ordnung.

Die Bedenken vieler scheinen nicht unberechtigt, sodass man empfehlen muss, die Entscheidungen noch einmal zu bedenken und vielleicht eine andere Meinung abzufragen.
 Erst die Untersuchung von Alternativen lässt uns oft die Lösung finden, daher ist ein Beschluss einen Gegenentwurf einzuholen sicherlich sinnvoll und anzuraten. Der öffentliche, deutliche und berechtigte Einspruch sollte hier die Verwaltung und den Gemeinderat zum Nachdenken bringen, denn hier wird nicht grundlos protestiert.

Natürlich wäre es sinnvoll, eine Behindertenrampe anzulegen, zweiläufig, die sich an die Begrenzungsmauer anschmiegt. Auch ein Aufzug ist denkbar, aber vielleicht wieder zu technisch bestimmend und aufwändig. Eine Freitreppe ist als Geste an der Stelle ein der Dorfgröße nicht angemessenes architektonisches Element und kann sich nicht maßstäblich zur Kirche und Raumgröße verhalten. Man kann die Treppe behutsam etwas offener und fließender gestalten, das geht auch bei der Länge von 5,5 Meter.

Eine schönere Möblierung des öffentlichen Raumes und Ausarbeitung von Aufenthaltsqualitäten wären sicherlich wünschenswert. Auch über das Licht könnte man aufwertend nachdenken, ohne dem Ort die Geborgenheit zu nehmen und die vorhandenen alten Laternen wegzuwerfen.

 

Kritikpunkte :

  1. zu große Freitreppe mit zu ausladender Behindertenrampe
  2. Akustischer Schutz zur Bundesstraße wird verringert.
  3. Die burgartige Wirkung durch die Mauer wird zerstört.
  4. Der Schutz des Gehweges durch die kleine Mauer von 1980 wird zerstört wie auch der Zusammenhang der Gesamtsituation mit gleichen Mauern gegenüber.
  5. Mehr als 20 Bäume werden grundlos gefällt, der historische Haincharakter wird zerstört.
  6. Betonpflaster ersetzt historisches zu 70 Prozent wiederverwertbares Basaltpflaster.
  7. Die Platzgestaltung vereinheitlicht die Differenzierungen.
  8. Historische Straßenlaternen werden durch nichtssagende moderne ersetzt.
  9. Ungelenke Planung statt den Genius Loci weiterzuentwickeln, der Much ausmacht.
  10. Der Denkmalschutz der Kirche wird als Ensemble außer Kraft gesetzt.
  11. Verursachen unnötiger Baukosten und Belastungen des Haushaltes, da die Kostenschätzung, auf der die Förderung basiert, veraltet ist.
     
     

Vorschläge zur Umplanung und gleichzeitigen Kostersparnis


Ziel ist, mit Ersparnis mindestens die Kostensteigerung auffangen und die Geschichte des Ortes wahren :

  1. Bürgersteig mit größerer Gehbreite von 2 Metern sehr gut
  2. kleine Mauer aus den 80er-Jahren als Schutz vor Verkehr lassen auch wegen der weitergehenden Gesamtgestaltung auf der anderen Straßenseite, Kostenersparnis
  3. Mauern vor der Sparkasse und Volksbank bestehen lassen sowie den etwas versetzten Zebrastreifen an der Stelle be
lassen, Kostenersparnis
  4. Treppenanlage etwas breiter als jetzt mit ordnungsgemäßer Steigung 15 cm und kürzerer gewendelter Rampe, Kostenersparnis mindestens 50 Prozent
  5. Beet mit alljährlicher Bepflanzung statt Blumenkästen beziehungsweise bei Neuplanung Doppelmauer mit Pflanzbeet integriert, weniger aufwändig in Pflege und Bewässerung
  6. akustischer Schutz durch hoch bleibende Mauer bei der Rampe und Erhalt der optischen kraftvollen Mauer der Kirchenburg
  7. Den Zugang an der Kirchstraße belassen, nur die Steigung anpassen, Kostenersparnis
  8. Wegeführung im Kirchenhain belassen mit einem Rundweg und Sitzbänken ergänzen, wirkliche Sitzorte mit gebogenen Bänken und Heckenschutz, Kostenersparnis
  9. Bäume des Kirchenhains belassen, die Dichte gehört zum besonderen Genius Loci des Ortes, Kostenersparnis
  10. Basaltpflaster des Kirchplatzes aufnehmen und gut 70 Prozent wiederverlegen, kostenneutral
  11. Weg vor den Häusern und Diagonalwege aus Natursteinpflaster, Differenzierung der Orte, Kostenersparnis
  12. Beibehalten von den alten Bäumen auf dem Kirchplatz, da sie bereits Geschichte vermitteln, die Baumscheiben können trotzdem etwas größer werden, altes bestehendes Wurzelwerk ist besser als junges, Ersparnis langer Bewässerung, die Kronen sind gut erhalten, Kostenersparnis
  13. Wassergebundene Oberflächen auf dem Platz vor den Häusern belassen und die Wege aus gleichem Material, da durch auch bessere Bewässerung der Bäume, Kostenersparnis
  14. Alte Laternen als Stimmungselemente belassen eventuell mit neueren halbhohen ergänzen, Kostenersparnis
  15. Möblierung des Raumes individuell gestalten zum Genius Loci
  16. Bedarfspoller am Eingang von der Kirchstraße, eventuell zwei Behindertenparkplätze hinter dem Pastorat
     
     

 
Prof. Thomas Kesseler
Kreuzgasse 14, 53557 Bad Hönningen
info@bau-kunst-kesseler.de

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.bau-kunst-kesseler.de
 

02. Februar 2020

 

 

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