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Dieses Schild weist noch nicht zum neuen Bauhof, sondern zum provisorischen Standort in Much

Kosten für neuen Bauhof steigen auf 6,5 Millionen Euro plus

Erwartete Kostenvorteile führten Anfang 2011 zur Gründung des gemeinsamen Kommunalunternehmens Much / Neunkirchen-Seelscheid. Durch die organisatorische und personelle Zusammenarbeit der beiden Bauhöfe sollten und wurden Einsparungen erzielt. In diesem Rahmen wurde auch der Neubau eines gemeinsamen Bauhofes ins Auge gefasst, der die Veräußerung der beiden bisherigen Standorte in Neunkirchen (Gewerbegebiet Ohlenhohn) und Much (Wahnbachtalstraße) vorsah. Der Kostenvorteil wurde mit 50.000 Euro jährlich pro Kommune beziffert.

Blick von der Sackgasse 'An der Senffabrik' in Nackhausen auf das Grundstück des Bauhofs

Schon frühzeitig wurde ein Standort im Nordwesten des Ortsteils Nackhausen an der Sackgasse 'An der Senffabrik' favorisiert, obwohl die Topographie des Grundstücks ungünstig ist. Bei dem welligen Grundstück handelt es sich um einen aufgefüllten Siefenbereich, der nicht überall Hochbauten zulässt. Für einen besser geeigneten, zentraleren Standort, von dem aus alle Teile beider Gemeinden schneller erreichbar wären, gab es keine Option. Die ebenen Grundstücke im neuen interkommunalen Gewerbegebiet Much-Bitzen sollten zudem für die Vermarktung freigehalten werden.

Im Frühjahr 2015 wurden die Planungen für den Standort Nackhausen aufgenommen und verschiedene Varianten der Gebäudeanordnung untersucht. Erste Kostenschätzungen beliefen sich auf 2,5 Millionen Euro. Im Frühjahr 2016 wurde eine aktualisierte Kostenschätzung nach der Bedarfsabstimmung mit den Bauhofsleitern der Kommunen vorgelegt. Diese umfasste die Herrichtung und Erschließung, das Bauwerk, die technischen Anlagen, die Außenanlagen, das Mobiliar und anfallende Gebühren. Nun wurden 3,55 Millionen Euro kalkuliert.

Die Zufahrt 'An der Senffabrik' von Nackhausen zum Bauhof-Grundstück, rechts außen das Flüchtlingsheim

In der Folgezeit kam es zu Beschwerden von Anwohnern, die die großteils von LKW genutzte Zufahrt entlang eines Wohnhauses und des im Jahre 2015 errichteten Flüchtlingsheims, wo zahlreiche Kinder auf der Straße spielen, bemängelten. Auch die Lärmentwicklung am Rande der Wohnbebauung wurde thematisiert. Proteste gab es insbesondere gegen die geplante Ansiedlung eines Wertstoffhofes auf dem Gelände des Bauhofs. Dieser, so die Kritik, würde zu einer Vervielfachung des Fahrzeugverkehrs führen, wenn Bürger/innen Altstoffe oder Grünschnitt anliefern würden.

Protestplakat von Anwohnern bei einer Ausschußsitzung des Verwaltungsrates des Kommunalunternehmens Much / Neunkichen-Seelscheid

Nach der deutlichen Interessensbekundung der Anwohner bei einer Infoveranstaltung Ende 2015 wurde die Einrichtung eines zusätzlichen Wertstoffhofes im April 2016 aufgegeben. Eine geforderte Zufahrt von der Rückseite des Geländes, die unmittelbar auf die Landesstraße 318 führt, scheiterte dagegen. Die Zufahrt würde nicht die benötigte rechtliche Mindestbreite von sechs Metern aufweisen, da ein diesbezüglicher Grundstücksankauf nicht möglich war. Auch eine Nachtausfahrt auf diesem Wege wurde letztlich nicht weiterverfolgt - an dieser Stelle würde ebenfalls ein Wohnhaus unmittelbar am Weg tangiert. So wurde die zweite beziehungsweise alternative Zufahrt im Sommer 2016 aufgegeben.

Dieser Wirtschaftsweg von der L 318 sollte als zweite Zufahrt oder Nachtausfahrt dienen, wird aber nicht realisiert

Ebenfalls Mitte 2016 wurde die Gebäudeanordnung teils umgeplant, 200 Quadratmeter Hallenfläche waren hinzugekommen, die Heiztechnik umgestellt. Bis Ende 2016 waren die kalkulierten Kosten auf 4,1 Millionen Euro und somit um 65 Prozent angestiegen, die Kostenentwicklung wurde im Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens als "erschütternd" und "besorgniserregend" bezeichnet. Mehrheitlich beschloss das Gremium einen Kostendeckel von 4,1 Millionen Euro (inclusive Grunderwerb und bereits geleisteter Erschließungs- und Baunebenkosten 4,31 Millionen).

Im Frühjahr 2017 wurde ein Schallgutachten vorgelegt, die gebietsspezifischen Immissions-Richtwerte würden eingehalten, so das Ergebnis. Die noch Ende 2015 für Anfang 2017 anvisierte Fertigstellung des Bauhofs wurde zwischenzeitlich auf Ende 2018 verschoben. Ende 2017 sah der aktualisierte Zeitplan eine neuerliche Verzögerung mit einer Fertigstellung bis Anfang März 2019 vor.

Ende Januar 2018 erteilte die Kreisverwaltung die Baugenehmigung. Danach wurde es jahrelang ruhig um das Thema Bauhof. Der Sachstand bezüglich Kosten und Zeitplan wurde nur noch in nichtöffentlicher Sitzung des Verwaltungsrates des Kommunalunternehmens besprochen.

Mit einer brisanten Neuentwicklung kam das Thema vor zwei Wochen (August 2020) erneut auf den Tisch. Denn der 2016 beschlossene Kostendeckel von 4,1 Millionen Euro zuzüglich Vorkosten wird um mehr als 2 Millionen Euro überschritten. Nach der vorherigen Kalkulation verblieben 3,38 Millionen Euro für die reinen Baukosten, die Ausschreibung führte aber zu keinen Angeboten. Im Rahmen einer Verhandlungsvergabe kam es dann zu einem Angebot von 5,95 Millionen Euro - 2,57 Millionen mehr als der Ansatz.

Der markierte Hallenteil soll eingespart und zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden (2. Bauabschnitt)

Zur Reduzierung der Kosten soll daher auf eine Fahrzeughalle verzichtet werden. Fahrzeuge, die nicht den Winterdienst bewerkstelligen, sollen demnach im Freigelände abgestellt werden. Durch die diesbezügliche Einsparung von 480.000 Euro verbleiben reine Baukosten von 5,474 Millionen Euro. - Doch dies gibt nicht die Gesamtkosten wieder. Hinzu kommen 132.000 Euro für den Grunderwerb, 289.000 Euro für die Erschließung und 515.000 Euro Baunebenkosten (Planung etc.). Die Gesamtkosten summieren sich damit auf 6,41 Millionen Euro.

Doch auch dies deckt noch nicht alle mit dem Projekt verbundenen Kosten ab. Zur Bebauung des Grundstücks in Nackhausen wurden ein Regenrückhaltebecken (140.000 Euro) und ein Stauraumkanal zum Auffangen des Oberflächenwassers unter der Straße 'An der Senffabrik' gebaut (inclusive Schmutz- und Regenwasser-Kanal sowie Wiederherstellung der Straßendecke 617.000 Euro). Beide Baumaßnahmen (zusammen 757.000 Euro) wären auch bei einer anderen Bebauung des Grundstückes notwendig gewesen. In die Kosten des Bauhofs sind davon "nur" 217.000 Euro Kanalanschluß-Beitrag eingeflossen.

Berücksichtigt man die später aufzubringenden Kosten der eingesparten Fahrzeughalle (480.000 Euro), die nun für die Zukunft als 2. Bauabschnitt vermerkt ist, haben sich die Kosten seit der ersten Kalkulation fast verdreifacht. - Die Erlöse aus den Grundstücken der beiden bisherigen Bauhöfe in Much (Höhe des Verkaufserlöses ist nicht öffentlich) und Neunkirchen (geschätzt rund 550.000 Euro) kommen den einzelnen Gemeinden, nicht dem Kommunalunternehmen zugute. Sie bei den Gesamtkosten in Abzug zu bringen, wäre auch nur bedingt korrekt, da die Grundstücke der öffentlichen Hand im Gegenzug verlorengehen.

Der frühere Bauhof an der Wahnbachtalstraße in Much wurde bereits 2018 abgerissen

Eine Alternative zum Standort in Nackhausen ist nicht vorhanden, da der Mucher Bauhof schon vor Jahren abgerissen wurde. Für den Interims-Standort in den ehemaligen Squash-Hallen in Much-Kreuzkapelle besteht nur eine befristete Betriebserlaubnis, die bereits verlängert wurde. Das Gebäude des Bauhofs an der Neunkirchener Ohlenhohnstraße entspricht nicht mehr den arbeitsrechtlichen Anforderungen und weist einen Sanierungsbedarf von kalkulierten 1,185 Millionen Euro auf. Ein möglicher Standort in Much-Bövingen ist nicht mehr verfügbar. Zudem wäre dieser - wie auch ein Gewerbegelände im Süden Neunkirchens - zu weit vom jeweils anderen Gemeindegebiet entfernt.

Interims-Standort des Mucher Bauhofs im Gebäude eines früheren Sportcenters in Kreuzkapelle
Der Neunkirchen-Seelscheider Bauhof im Gewerbegebiet Ohlenhohn in Neunkirchen

Außerdem wären bei einem Neubau an anderer Stelle ähnliche Baukosten zu erwarten, hinzu kämen neuerliche Planungskosten. Vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens dem Neubau des interkommunalen Bauhofs am 20. August einstimmig zugestimmt. Die Ausführung des Baus wird von der Niederlassung Bonn des Stuttgarter Bauunternehmens 'Ed. Züblin AG' übernommen. Es wird von einer Bauzeit von einem guten Jahr ausgegangen.

Das Bauhof-Projekt könnte demnach bis Herbst 2021 realisiert werden - mehr als zehn Jahre nach der grundsätzlichen Überlegung zum Neubau und mehr als sechs Jahre nach dem ersten Planentwurf. Die drastisch gestiegenen Kosten sind einem gestiegenen Flächenbedarf sowie großteils den entstandenen Verzögerungen mit den in dieser Zeitspanne - aufgrund der guten Baukonjunktur und der Auslastung von Baufirmen - allgemein stark gestiegenen Baukosten geschuldet. (cs)
 

10. September 2020

Lageplan des geplanten Bauhofs, oben rechts die Zufahrt 'An der Senffabrik', oben mittig das Verwaltungs- und Sozialgebäude, links die Lager- und Fahrzeughallen, unten mittig die eingesparte Halle (2. Bauabschnitt), rechts der tiefergelegene Hof mit Schüttgutboxen und der Auffahrt zum oberen Hof (beides mittig) - (Planung und Zeichnung : Merten Architektur+Design)
Blick von Nordwesten auf das für den Bauhof vorgesehene Areal am Ortsrand von Nackhausen

 

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