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27.05.2009 - Gemeindeverwaltung, Politik, Medien, Vermischtes:

Bürgerbefragung mit fragwürdigen Schlußfolgerungen

Politisch umstritten war sie von Anfang an, vor allem wegen ihrer Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro. DIe Rede ist von der "Bürgerbefragung", die im August 2008 im Auftrag der Gemeinde durchgeführt worden war. Strenggenommen handelte es sich gar nicht um eine Befragung der Bürger, sondern der Haushalte, aber auch längst nicht aller Haushalte, aber dazu später mehr. Erst nach einem halben Jahr wurden die Ergebnisse der Befragung vor kurzem vorgelegt. Nach offiziellen Angaben wurden knapp 5.000 Fragebögen verteilt, 766 kamen zur Auswertung zurück.

An den vorgelegten Zahlen ist zu erkennen, daß eine Grundvoraussetzung für das Ziel der Aktion, nämlich bessere Planungsgrundlagen für die Zukunft zu erhalten, verfehlt wurde. Die Ergebnisse sind nämlich nicht repräsentativ, auch wenn dies im Resumee der Auswertung einfach behauptet wird. Dabei relativiert man die eigene Aussage gleich, indem man einschränkt "lediglich in den Altersgruppen unter 25 Jahren und 25 bis 30 Jahren war die Teilnahme schwach". Denn nicht die Anzahl der Rückläufer entscheidet über die Repräsentativität, sondern ob ein Querschnitt der Bevölkerung erreicht wurde. Sieht man sich die Zahlen genauer an, erkennt man, daß mehr als 86 Prozent derjenigen, die einen Bogen ausfüllten, über 40 Jahre alt sind. Jüngere Bevölkerungsgruppen wurden also nur weit unterdurchschnittlich berücksichtigt.

Während die Kurzauswertung der Befragung sich korrekt auf die "Befragten" bezieht, macht man im nächsten Schritt den entscheidenden Fehler - die Verallgemeinerung auf alle Bürger. So wird in der wöchentlichen "Bürgermeister-Info" der Gemeinde als Fazit der Bürgerbefragung berichtet "Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Much sind Rentner(in) / Pensionär(in), genau sind es 36,4 %, 33,4 % sind Angestellte, 13,6 % Selbständige, die Beamten machen 7,3 % aus, Arbeiter 2,5 %, Studierende und Auszubildende 1,2 %, Arbeitssuchende 0,9 %, Schüler 0,7 % und Sonstige 4 %". Würde man dieser Aussage glauben, gäbe es in ganz Much nur 105 Schüler, eben 0,7 Prozent der Bürger. Nimmt man die Ergebnisse der Bürgerbefragung als Planungsgrundlage, dürfte jegliche Diskussion um ein eigenes Gymnasium in Much sofort beendet werden, stattdessen müßten Schulen geschlossen werden.

Als äußerst fragwürdig muß auch eine Auswertung zum Medienkonsum gewertet werden. So wird gemäß der Ergebnisse behauptet, daß 92,4 Prozent der Bürger regelmäßig das Amtsblatt lesen würden, wörtlich : "Das (Amtsblatt) ist offensichtlich das beste Kommunikationsmittel für gemeindliche Informationen, mit dem über 90 % der Bürgerinnen und Bürger erreicht werden." Eine nachweislich falsche Behauptung, wie die tatsächlichen Zahlen belegen. Denn nach verlagseigenen Angaben hat die Wochenzeitung in der Regel eine Auflage von 3.500 Exemplaren, nur einmal monatlich mehr. Nach aktuellen amtlichen Angaben gibt es in Much aber 7.526 Haushalte. Demnach erreicht das Amtsblatt zumeist nur die Hälfte der behaupteten Bürger, nämlich 46,5 Prozent der Haushalte. Der weit höhere Prozentsatz aus der Befragung hat einen anderen Grund :  Die Fragebögen wurden nämlich überwiegend als Beilage im Amtsblatt verteilt. So konnte die Frage nach dem Medienkonsum gar keine repräsentativen Ergebnisse bringen. Die getroffene Behauptung basiert daher auf einer "Milchmädchenrechnung", entspringt dem Wunschdenken oder ist einfach unseriös.

Dies sind nur zwei Beispiele für die Probleme der Bürgerbefragung. Wenn aber die auf diese Weise erzielten Ergebnisse als Planungsgrundlage der zukünftigen Gemeinde-Entwicklung dienen sollen, muß der Nutzen der gesamten Erhebung in Frage gestellt werden. Über dieses Thema wird am heutigen Mittwochabend auch der Haupt- und Finanzausschuß der Gemeinde diskutieren, er tagt um 18 Uhr öffentlich im Sitzungszimmer des Rathauses. (cs)


 

 

 


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